Alaska

Nach zwei unterhaltsamen Nächten in der ältesten Kneipe von Whitehorse, dem 1898 gegründeten „98“ hole ich am Sonntag endlich die Anja und meine restlichen Reisekumpanen ab. Zu siebt packen wir unser Hab und Gut in einen Chevy Suburban und ziehen los Richtung Alaska. 

Erstes Ziel: Skagway. Früher der erste Ort, an dem die beschwerliche Reise der Goldsucher zum Yukon begann, heute Touristenort für Kreuzfahrtschiffe.

Die Einreise in die USA entspricht mittlerweile einer erkennungsdienstlichen Behandlung. Alle Fingerabdrücke, Fotos, Befragung. Immerhin keine DNA-Probe. Dazu die Herzlichkeit eines DDR-Grenzers. Wilkommen im „Land of the free“.

Ganz im Gegensatz dazu die Bewohner von Skagway, die einen auf der Strasse grüßen und auch ansonsten einfach herzlich nette Menschen sind.

Skagways zwei Attraktionen sind die Bahn über den White Pass und diverse Kneipen. Ab 10 Uhr abends sind die Gehwege hochgeklappt. 

Downtown:

Nahe Skagway beginnt der berühmte Chilkoot-Trail, über den die Goldsucher Ende des 19. Jahrhunderts ihr Equipment bis zum Lake Bennet schleppen mussten. 

Uns war das schon ohne Gepäck viel zu mühsam, da gehen wir lieber Krabbenhaxen essen. 

Von Skagway gehts mit der Fähre nach Haines. Malerisch gelegen und extrem chillig. Unweit des Dorfes fließt der Chilkoot-Lake ins Meer, an der Engstelle holen die Grizzlys sich den Lachs raus. 

Die gelungenen Fotos (bzw. das Überleben der erste Bärenbegegnung – je nach Gesichtspunkt) feiern wir mit Bier aus der lokalen Microbrewery.

Typisch amerikanisches Frühstück im B&B in Haines. 

Von Haines geht es auf den Alaska-Highway, zuerst zurück nach Kanda. Siedlungen wie Beaver Creek mit kaum 50 Einwohnern und Landschaft satt. 

Der Highway führt wieder nach Alaska, trotz bereits vorhandener Einreise macht uns der Grenzer klar, wie wenig wilkommen Fremde hier sind. Gnädigerweise dürfen wir aber doch einreisen und erreichen via Tok das Goldgräbernest Chicken. 

Chicken, Alaska, hat im Sommer um die 30 Einwohner, im Winter sinds 2. Alles steht hier im Zeichen der Goldsuche und in der Bar sitzt man abends mit echten Minern zusammen. 

Sogar den Burger bekommt man in der Waschpfanne serviert. 

Goldschürfen entlang des Highways. 

Ab der folgenden Grenze heisst die üble Rüttelpiste „Top of the world Highway“ und ist auch wieder geteert. Wir erreichen Dawson und machen uns erstmal mit den Beförderungsgewohnheiten der Einwohner vertraut. 

Werbeanzeigen

Whitehorse und Teslin River

Whitehorse erreicht man nach knapp 9h Flug direkt von Frankfurt. Die Flugzeit wird von der Zeitzone ausgeglichen. Sehr praktisch, brauchts aber eigentlich nicht, da es sowieso nicht dunkel wird. 

In Whitehorse findet ein Kulturfestival statt, besonders interessant sind die traditionellen Kanus und natürlich die Erklärung dirch die Erbauer. 


Am Dienstag, dem 4.7. geht es nach einem ausgiebigen Einkauf an Johnsons Crossing auf den Teslin River. 6 Grad und leichter Nieselregen. 


Die ersten Tage heissts Durchkämpfen, der Fluss hat noch keine richtige Strömung, der obligatorische Gegenwind und das Wetter helfen auch nicht unbedingt. 


Manchmal passts aber auch und man lässt sich treiben und genießt die Stille, die Landschaft und das Leben im Allgemeinen. 



Meist holt mich allerdings das Wetter ein, 2 Tage nagelt mich der Regen im Camp „Mansons Landing“ fest, keine Lust in strömendem Regen zu Paddeln. 


Leicht durchnässt gehts weiter, die Strömung reicht mittlerweile aus, sich größtenteils treiben zu lassen und unterwegs die vom Gewitter der letzten Nacht durchnässten Sachen trocknen zu lassen. 


Von Beginn der Tour versuche ich mich im Fischfang, ohne Erfolg. Am Zusammenfluss von Teslin und Yokon dann der ersehnte Erfolg. Eine Polaräsche. 


In Alufolie gegrillt ein Genuß. 


Die Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke sind die Überbleibsel des Goldrausches von 1889 und die daraus resultierenden Stationen der Dampfschiffe „Sternwheelers“. 100 Mile Landing, Mansons Landing, Hootalinqua, Big Salmon Village heissen die Orte, die heute aus ein paar verfallene Hütten bestehen. 


Den Plan, bis nach Carmacs zu fahren, gebe ich kurz hinter Little Salmon Village am Yukon auf. Hier bietet sich überraschend die Möglichkeit, mit ein paar Kanuten, die ihre Boote vom gleichen Vermieter wie ich haben, am Folgetag abgeholt zu werden. 

10 Tage Ruhe, Einsamkeit und Natur pur enden und ich bekomme das Lachen die ganze Fahrt zurück nach Whitehorse nicht aus dem Gesicht. 

Kanada Vorbereitungen

4 Wochen Kanada stehen vor der Tür. Seit Monaten plant die 8-köpfige Crew an den Details. Ausrüstungslisten werden erstellt, immer detailliertere Reiseplanungen mit dem Kanuverleiher, Buschpiloten usw. erstellt. GPS-Tracker werden angeschafft (siehe weiter unten).

Und dann kommt plötzlich alles anders, meine Firma entschliesst sich, mir den ganzen Sommer frei zu geben, wenn ich verspreche, danach nicht wieder aufzutauchen 😉 Also fix den Hinflug nach Whitehorse umgebucht und aus 4 Wochen Kanada werden für mich 6.

Das erzeugt natürlich eine gewisse Hektik, mit dem Kanuverleiher wird eine Solotour für die ersten zwei Wochen verabredet, was natürlich heisst, dass ich ein komplettes Ausrüstungspaket mitnehmen muss und mich nicht auf die allgemeine Ausrüstung der Gruppe verlassen kann – die kommt samt Anja wie geplant erst Mitte Juli an.

Wie immer wird das GPS mit Karten von OpenStreetMap vorbereitet, das große Rätselraten welches Kameraequipment mit soll veranstaltet und die Kataloge von Reiseausrüstern gewälzt. Immer die Waage im Blick, 2x23kg Fluggepäck dürfen nicht überschritten werden.

Last but not least kommt noch mein Kumpel Pit mit einem extra angefertigten Messer in amtlicher Bärentötergröße vorbei.

PitMesser

Im Detail gehts am 2.7. via Frankfurt nach Whitehorse, von dort aus zwei Wochen alleine mit dem Kanu den Teslin River/Yukon bis Carmacks runter. Danach treffe ich die restliche Crew und über einen Ausflug per Auto durch Alaska fahren wir via Dawson, Whitehorse und Mayo per Buschflieger mit Kanus den Wind River bis Fort McPherson am Peel River.

Da wir auf den Kanustrecken keinen Internetzugang haben, könnt ihr ab dem 26.7. unsere Tour auf dem Wind River wenigstens per GPS verfolgen:

Verfolge unsere Reise

Lamayuru

Unseren letzten Ausflug des Urlaubs machen wir ins Kloster von Lamayuru. Dazu fahren wir knapp 120km den Indus entlang nach Westen. Wir haben Spass, die Strecke ist gut ausgebaut und kurvig, das mäßige Wetter kann uns nicht aufhalten.

P9060305

Trotz einsetzenden Regens ist am Kloster ziemlich viel Betrieb, warum erfahren wir später.

P9060310

P9060316

P9060350

Der Rinpoche kommt, erfahren wir von einem österreichischen Paar, dass sich schlauerweise einen Führer genommen hat. Der freundlich lächelnde Herr unter dem Schirm ist es, vor dem sich alle verbeugen.

P9060365

Da wir keinen Führer engagiert haben und in der Folge nicht die leiseste Ahnung haben, was um uns vorgeht, halte ich einfach die Kamera ins Geschehen.

P9060409

P9060414

P9060434

P9060463

Nachdem die gesamte Menschenmasse hinter dem Rinpoche ins Hauptgebäude des Klosters geströmt ist, kommt sie kurz darauf wieder heraus, umkreist das Kloster mehrfach gebetsmühlendrehend im Uhrzeigersinn, holt sich eine Hand voll gesegnetem Reis und verschwindet genau so schnell, wie sie gekommen ist. Nach nichtmal einer Stunde ist alles vorbei, wären wir nicht zufällig genau zur rechten Zeit gekommen, hätten wir nichts von der Aktion mitbekommen.

P9060495

P9060479

P9060481

P9060500

P9060478

P9060475

Wir treten den Heimweg über eine Alternativroute entlang des Bergrückens oberhalb Lamayuru an und genießen ein letztes Mal für diesen Trip die Aussicht auf die grandiose Landschaft.

P9060502